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Auch wenn sich schwere Tage und endlose Nächte ewig wiederholen – wir leben weiter, Tag für Tag. <Onkel Wanja>

Chloe

Chloe

2026. 06. 09 11:51Views 104

Die Geschichte der Menschen, denen die Hoffnung gepfändet wurde

Nationales Theater Korea: <Onkel Wanja>


In dem Moment, als die Eröffnungsmusik erklingt, taucht das Nationaltheater in die japanische Kolonialzeit ein.

Bühne von <Onkel Wanja> @Chloe
Bühne von <Onkel Wanja> @Chloe
Bühne von <Onkel Wanja> @Chloe
Bühne von <Onkel Wanja> @Chloe

Die vertraute Welt Tschechows berührt auf natürliche Weise die Geschichte Koreas unter japanischer Kolonialherrschaft.

Allein durch die Anrede „Ajeossi" wird die Langeweile des Russlands im 19. Jahrhundert in eine koreanische Langeweile des frühen 20. Jahrhunderts übersetzt.

Die Wahl der Kolonialzeit als Hintergrund ist eindeutig, doch das Stück stützt sich weder auf Empörung noch auf Nationalismus. Es verliert sich nicht in Klischees, sondern richtet den Blick auf das ganz gewöhnliche Leben der Menschen jener Epoche.

Die Manyо-Lieder erfüllen diese Aufgabe auf treffliche Weise. Die Schläfrigkeit des Originals wird durch Lebendigkeit ersetzt.

Plakat von <Onkel Wanja> (Foto: Nationales Theater Korea)
Plakat von <Onkel Wanja> (Foto: Nationales Theater Korea)
Besetzungstafel von <Onkel Wanja> @Chloe
Besetzungstafel von <Onkel Wanja> @Chloe

Es geschieht nichts.

<반야 아재> des Nationalen Theaters Korea ist ein Werk über die Antriebslosigkeit von Menschen, denen die Hoffnung gepfändet wurde. Vielleicht war Hoffnung von Anfang an gar nicht gegeben.

Im Stück geschieht nichts. Es scheint, als würde gleich etwas passieren – und dann doch nicht. Am Ende hat sich nichts verändert.

Ibos Zorn lodert wie die Stille vor dem Sturm, um dann irgendwo in sich zusammenzusinken.

Der Abzug wird betätigt, doch niemand wird getroffen; die Liebe wird gestanden, doch sie erreicht niemanden – alles bleibt, wie es war.

Diese Bühne, bedeckt von Reiskleie, als wäre ein Sturm hindurchgefegt. Doch der Sturm ist von Anfang an nicht gekommen.

Jo Seong-ha als Park Ibo in <Onkel Wanja> @Chloe
Jo Seong-ha als Park Ibo in <Onkel Wanja> @Chloe
Shim Eun-kyung als Seo Eun-hee in <Onkel Wanja> @Chloe
Shim Eun-kyung als Seo Eun-hee in <Onkel Wanja> @Chloe
Son Suk als Yang Mal-le und Nam Myung-ryul als Seo Byung-hu in <Onkel Wanja> @Chloe
Son Suk als Yang Mal-le und Nam Myung-ryul als Seo Byung-hu in <Onkel Wanja> @Chloe
Im Gang-hee als Oh Yeong-ryan und Kim Seung-dae als An Hae-il in <Onkel Wanja> @Chloe
Im Gang-hee als Oh Yeong-ryan und Kim Seung-dae als An Hae-il in <Onkel Wanja> @Chloe

In dieser lauwarmen Hölle geschieht nichts, und nichts verändert sich.

Kein dramatisches Ereignis, keine befriedigende Lösung. Diesen seltsam beklemmenden Moment tragen die Zuschauer gemeinsam mit den Figuren.

Genau das ist die Welt Tschechows.


Die Welt Tschechows

Die Menschen in Tschechows Werken sind nicht in der Tragödie gefangen. Die Leere über vergangene Zeit, unerfüllte Liebe, die Last des Opfers, das Gefühl für unwiederbringliche Momente – all das wird mit einem mitfühlenden, warmen Blick betrachtet.

So werden ihre Geschichten zu unseren Geschichten.

Anton Pawlowitsch Tschechow (Foto: Wikimedia Commons)
Anton Pawlowitsch Tschechow (Foto: Wikimedia Commons)

Dieser stille Trost lässt uns das traurige Schicksal annehmen, dennoch den heutigen Tag durchleben zu müssen.

Die Zeit fließt unaufhörlich weiter, und vieles verfehlt sich.

Eun-hee ist das einzige kleine Licht in diesem feuchten, schweren Stück. Dank ihrer Liebenswürdigkeit und inneren Stärke hallt mir noch immer dieser eine Satz nach: „Trotzdem müssen wir leben."

Dass diese Worte irgendwie einsam klingen, liegt wohl daran, dass sie der Resignation nahekommen.

Durch diese Worte von Eun-hee, die als einzige noch Hoffnung zu tragen schien, wird uns bewusst: Wir alle besänftigen unsere Langeweile und leben irgendwie weiter.

In diesem Trost steckt weder ein Versprechen noch eine Gewissheit, dass es besser wird.

Bühnenmodell von <Onkel Wanja> (zum freien Anfassen für das Publikum bereitgestellt) @Chloe
Bühnenmodell von <Onkel Wanja> (zum freien Anfassen für das Publikum bereitgestellt) @Chloe
Schlussapplaus von <Onkel Wanja> (Foto: Elliot)
Schlussapplaus von <Onkel Wanja> (Foto: Elliot)

Tschechows Werk wendet sich nicht von der Wirklichkeit ab und jagt keiner trügerischen Romantik nach.

Im langweiligen Alltag begegnet es der Langeweile auf Augenhöhe.


Und dennoch, auch morgen

Auch wenn man nicht auflodern kann – man muss leben.

Auch wenn sich alles vergänglich anfühlt,

auch wenn es scheint, als würde sich nichts verändern –

man wird trotzdem weiterleben: heute, morgen, übermorgen und darüber hinaus.

Tschechow ist vielleicht ein Werk für jene Menschen, die den nächsten Tag wie aus Gewohnheit begrüßen.

Auf geht's, ihr alle – Kopf hoch inmitten dieser Langeweile!

Auch wenn diese grausame und ermüdende Abfolge von Langeweile unser Leben sein mag – halten wir noch ein kleines bisschen länger durch.

Chloe

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